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Vivantes - ein medizinischer Konzern

"Vivantes - Netzwerk für Gesundheit" versorgt etwa 30 Prozent aller Krankenhauspatienten in Berlin. Insgesamt 130 Kliniken und medizinische Institute stehen für die stationäre Behandlung der Patienten zur Verfügung. In seinen über das gesamte Stadtgebiet verteilten 58 Standorten betreibt Vivantes 15 Pflegeeinrichtungen mit etwa 6.200 stationären Betten und rund 15.500 Mitarbeitern in zehn Krankenhäusern das größte Klinikunternehmen in der BRD.

Das Ziel des Konzerns

Wie bei anderen Unternehmen auch, ist es das Ziel von Vivantes, Gewinne zu machen. Ein Weg dahin ist die Aushebelung der tariflichen Bezahlung. Nach und nach werden private Tochtergesellschaften gegründet, die eigene Tarife erhalten. Letztendlich werden durch Deregulierung und Flexibilisierung von Arbeitszeiten und -Verträgen, vor allem aber durch die Ausdehnung von Zeit- und Leiharbeit die Lohnkosten reduziert. Viele Kolleginnen und Kollegen, die bei Post, Telekom, Bahn und Bewag beschäftigt sind erleben das gleiche Verfahren.

Tarifergebnis

Nach langwierigen Verhandlungen konnte am 8. und 9. Januar 2003 ein Tarifkompromiss erreicht werden, der u.a. folgendes vorsieht:

  • Die Löhne und Gehälter werden ab Januar 2003 nach zwei bzw. November bis Dezember 2002 bzw. bis März 2003 um 2,4 % erhöht, die anderen Vergütungsgruppen ab April.
  • Ab Januar 2004 gibt es eine Stufenerhöhung von 1,0 %. Ab Mai 2004 eine weitere von 1,0 %. Im März 2003 wird eine Einmalzahlung von 7,5 % eines Monatseinkommens für die ArbeitnehmerInnen, die am 2. Januar 2003 in einem Beschäftigungsverhältnis standen und Anspruch auf Bezüge für Februar haben, gezahlt; im November 2004 gibt es eine weitere Einmalzahlung. Die Laufzeit endet am 31. Januar 2005.
  • Im Tarifgebiet Ost werden die Vergütungen von 90 auf 91/92,5 % ab 1. Januar 2003/2004 an das West-Niveau angepasst. Die 100 %-Angleichung bis zum 31. Dezember 2007 wird für alle Lohngruppen und einige Gehaltsgruppen vereinbart, für die übrigen bis zum Dezember 2009.
  • Die Sonderzahlung wird bis zum Januar 2005 weiterhin eingefroren.
  • Der sogenannte AZV-Tag fällt ab Januar 2003 weg.
  • Im Tarifgebiet Ost wird die Regelung zur besonderen regelmäßigen Arbeitszeit bis 31. Dezember 2007 verlängert. Außerdem müssen die Beschäftigten einen Beitrag zur Zusatzversorgung leisten.
  • Die Tarifvertragsparteien verpflichten sich, den Neugestaltungsprozess zur Modernisierung des Tarifrechts bis zum 31. Januar 2005 abzuschließen.
  • Die Tarifvertragsparteien werden weiter darauf hinwirken, dass Auszubildende für mindestens zwölf Monate übernommen werden, sofern der Betrieb nicht über Bedarf ausgebildet hat.

Das Strategiekonzept des Vivantes-Konzerns

Zentralisierung, Abbau der Bettenzahl, kleine Krankenhäuser und Fachabteilungen, wirtschaftlich effiziente Strukturen schaffen. Ein Gutteil dieser Arbeit ist schon geleistet. Mit der neuen Organisationsform hat Vivantes schlankere Leistungsstrukturen geschaffen. „Kompetenz und Verantwortung“ sollen enger zusammengebracht werden. Die Ärzte haben nach dieser neuen Konzeption nicht nur die Verantwortung gegenüber ihren Patienten. Sie müssen sich künftig nicht nur als Arzt, sondern zunehmend auch als betriebswirtschaftlich denkende Unternehmer verstehen. Die Zentralisierung von Bereichen und damit die neue Strukturierung des Konzerns und die Ausgliederung von Abteilungen in Tochtergesellschaften schafft die Voraussetzung für den weiteren Abbau der Vollzeitkräfte. Bis 2006 gibt bei Vivantes zwar keine betriebsbedingten Kündigungen, aber durch Zentralisierung findet Vivantes immer einen Weg. z.B. im Servicebereich wird Insourcing und Integration von Partnern betrieben. Ziel ist die weitere Kostensenkung. Mit dem Aus- und Aufbau von Tochtergesellschaften, wie „Chrono Medic“ GmbH (zentraler Einkauf, Lager und Logistik, Apothekenversorgung und zentrale Sterilisation, Einkauf und Bewirtschaftung der Medizintechnik...) wurden im ersten Schritt diese Funktionsbereiche der einzelnen Krankenhäuser von Vivantes zusammengefasst. Im zweiten Schritt wurden die Aufgaben zentralisiert und neue Abläufe zur Leistungserbringung eingeführt. Die Strategie Ziel ist eine Reduzierung der Sachkosten um 20% und Personal Reduktion um 7%. Im Laborbereich wurde durch Insourcing und Zentralisierung in zwei Klinika ca. 20 % an Personal- und Sachkosten eingespart. Absicht ist, die Leistungen auch anderen Unternehmen, die nicht zu Vivantes gehören, zu verkaufen. Das Facility Management ist in drei Bereiche gegliedert.

Technik, Reinigung, Wäscherei, Catering gehören dazu. Durch weitere Zentralisierung und Bildung weiterer Tochtergesellschaften und durch Rahmenverträge mit Großlieferanten sowie standardisierte Dienstleistungsverträge mit den externen Firmen will Vivantes bis 2004 ca. 14 Millionen Euro einsparen. Durch die Einführung der DRG (Fallpauschalen) wird beim Markt für Rehabilitationsleistungen im Sinne von Anschlussbehandlungen weiteres Wachstum. Daher hat Vivantes im Oktober 2002 die Tochtergesellschaft „Vivantes Rehabilitation“ gegründet. Im Seniorenbereich mit 1.931 Pflegeplätzen ist das „Vivantes Forum“ der größte Anbieter in Berlin. Sein Marktanteil beträgt rund 8%. In Bereich Kliniken wie in allen anderen genannten Bereichen ist das Personal der größte Kostenfaktor. Über zwei Drittel der gesamten Kosten entstehen im Bereich Personalwesen. Bereits im ersten Jahr hatte Vivantes durch neue Strukturierung und Reduzierung den Personalaufwand um 55,7 Mio. Euro auf 599,8 Millionen Euro gesenkt. Von 2002 bis 2006 sollen weitere Betten trotz konstanter Zahl von Patienten von etwa 5.800 auf unter 4.200 reduziert.

Tatsache ist: durch den Abbau der Vollkräfte bleibt die Betreuungsqualität und die fachliche Kompetenz auf vielen Stationen merklich auf der Strecke. Waren zum Beispiel in einem Bereich mit 40 Betten noch vor einigen Jahren fünf Krankenpflegekräfte im Frühdienst, so sind es heute auf manchen Stationen eine examinierte Krankenpflegekraft, eine einjährige Krankenpflegehelferin und zwei Auszubildende, die die Patientenversorgung gewährleisten müssen. Im Zeitraum von 2003 bis 2010 sollen die Personalkosten um insgesamt 20% gesenkt werden.

Ausbildung

Die Ausbildungssituation hat sich in den von Vivantes betriebenen Häusern seit der Privatisierung Anfang 2001 dramatisch verschlechtert. So sank die Zahl der Auszubildenden von knapp 1200 auf demnächst 450. Die örtlichen Krankenpflege-Schulen wurden zum Großteil geschlossen und zentral im Krankenhaus Neukölln zusammengeführt. Die Chance auf Übernahme nach der Ausbildung liegt derzeit bei nahezu Null. Letztmalig zum 1.April 2002 sollten rund 110 Auszubildende übernommen werden, davon 70 in der Altenpflege. Doch wer in die Altenpflege "abgeschoben" wird, hat kaum noch Chancen, wieder in den Akutbereich der Krankenhäuser zu kommen. Beim Ausbildungsangebot selbst setzt Vivantes verstärkt auf Teilqualifizierungen statt auf vollwertige Abschlüsse. Angeboten werden einjährige "Ausbildungen" zum Krankenpflegehelfer (KPH) und zweijährige zum operationstechnischen Assistenten (OTA). Zu den Intentionen heißt es in der Konzernzeitung „VIVA Journal“ ganz offen: "Der Vorteil gegenüber dem traditionellen Weg ist die wesentlich kürzere Qualifikationsphase und die damit verbundene höhere Wirtschaftlichkeit".

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